Beim Pharma Media Day 2026 hat Bayer die Radiologie und molekulare Bildgebung als künftige Wachstumstreiber herausgestellt. Im Fokus stehen dabei das niedrig dosierte MRT-Kontrastmittel Gadoquatrane sowie zwei neue Tracer zur Diagnose der systemischen und kardialen Amyloidose.

„Die medizinische Bildgebung entwickelt sich zunehmend zu einer personalisierteren und in die Behandlung von Patienten integrierten Technologie“, erklärte Konstanze Diefenbach, Leiterin der Radiologie-Forschung und Entwicklung bei Bayer. Bayer arbeitet deshalb an Niedrigdosis-Kontrastmitteln, vernetzten Workflows und neuen molekularen Bildgebungsverfahren, um Diagnosen früher und präziser zu ermöglichen.
Gadoquatrane: Weniger Gadolinium bei gleicher Bildqualität
Besonders weit fortgeschritten ist die Entwicklung von Gadoquatrane. Das makrozyklische gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel soll nach Angaben des Unternehmens die niedrigste Gadolinium-Dosis aller derzeit verfügbaren makrozyklischen Kontrastmittel bieten. Im Vergleich zu heutigen Produkten soll sich die Gadolinium-Exposition pro Untersuchung um bis zu 60 Prozent reduzieren lassen – bei unveränderter Bildqualität.
Das hochrelaxive Präparat ist für die Darstellung von Pathologien in allen Körperregionen sowie im zentralen Nervensystem vorgesehen und soll bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern und Neugeborenen eingesetzt werden können. Für Patienten mit chronischen Erkrankungen, wiederholten MRT-Untersuchungen oder eingeschränkter Nierenfunktion könnte die geringere kumulative Gadolinium-Belastung einen wichtigen Vorteil darstellen.
Im März 2026 erhielt Gadoquatrane in Japan unter dem Markennamen Ambelvist die weltweit erste Zulassung. Weitere Zulassungsanträge laufen derzeit in anderen Regionen.
Neue Tracer für die Amyloidose-Diagnostik
Neben dem Kontrastmittelgeschäft erweitert Bayer seine Aktivitäten in der molekularen Bildgebung um diagnostische Tracer für die Amyloidose. Im Mittelpunkt stehen der PET-Tracer Evuzamitide I-124 (AT-01) sowie der SPECT-Tracer Tc-99m p5+14 (AT-05). Beide Substanzen sollen Amyloidablagerungen mit hoher Sensitivität und Spezifität sichtbar machen und so die Diagnose der systemischen und insbesondere der kardialen Amyloidose verbessern.
Der PET-Tracer Evuzamitide I-124 (AT-01) ist dabei am weitesten entwickelt. Der pan-amyloide Tracer erhielt als erster Bildgebungswirkstoff für kardiale Amyloidose von der US-amerikanischen FDA den Status einer „Breakthrough Therapy“. Zudem verfügt AT-01 sowohl in den USA als auch in Europa über den Orphan-Drug-Status. Nach Angaben von Bayer wurde die Dosierung in der Phase-III-Studie bereits abgeschlossen.

„Der besondere Vorteil von AT-01 ist, dass der Tracer nicht nur das Herz, sondern unterschiedliche Amyloid-Ablagerungen im gesamten Körper sichtbar machen kann“, erläutert Dr. Gesine Knobloch. „Damit könnten wir Patienten deutlich früher identifizieren und gezielter einer passenden Therapie zuführen.“
Der zweite Kandidat, Tc-99m p5+14 (AT-05), basiert auf der SPECT-Technologie und befindet sich derzeit in Phase I. Durch die breitere Verfügbarkeit von SPECT-Systemen könnte der Tracer künftig zusätzliche diagnostische Optionen eröffnen – insbesondere in Zentren, die keinen Zugang zu PET-Systemen haben. „Mit AT-05 wollen wir die Diagnostik breiter verfügbar machen und die Vorteile der molekularen Bildgebung auch dort nutzbar machen, wo keine PET-Infrastruktur vorhanden ist“, so Dr. Gesine Knobloch.
Amyloidose gilt nach wie vor als unterdiagnostizierte Erkrankung. Bayer verweist darauf, dass weltweit mehr als 400.000 Menschen von kardialer Amyloidose betroffen sein könnten. Mit der Einführung neuer Therapien wird eine frühe und präzise molekulare Diagnostik zunehmend entscheidend, um geeignete Patienten zu identifizieren und den Therapieerfolg zu überwachen.









