Zukunftstag Radiologie

Wie KI und neue Geschäftsmodelle die Radiologie verändern

Paneldiskussion
Deutscher Radiologentag - Blick in die Zukunft
Quelle: Deutsche Bank

Zum Zukunftstag der Radiologie lud die Deutsche Bank AG zusammen mit der RadiologenGruppe 2020 (RG20) Ende September nach Frankfurt ein. In Vorträgen und einer sich anschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Frage, wie sich radiologische Unternehmen in Zeiten von künstlicher Intelligenz (KI), Automatisierung und Fachkräftemangel wirtschaftlich gut aufstellen können. 

Den Auftakt machte Prof. Dr. Pero Mićić, Vorstand der FutureManagementGroup. Die zentrale These seiner Keynote „Wie KI die Zukunft von Medizin und Praxis prägt“ war, dass Unternehmen die Zukunft nicht exakt vorhersagen müssen. Sie sollten vielmehr Entwicklungen früh erkennen und daraus ein eigenes Zukunftsbild ableiten. Für radiologische Praxen sei das auch eine Frage des Unternehmenswerts. „Wer eine Praxis in einigen Jahren übergeben will, muss schon heute dafür sorgen, dass sie für Patienten, Käufer und Nachfolger attraktiv bleibt“, betonte Mićić. Er verwies darauf, dass KI die medizinische Forschung und Entwicklung beschleunigen könnte. Davon könnten auch Diagnostik und personalisierte Therapien profitieren. „Betrachten Sie Ihre eigene Wertschöpfung neu!“, forderte er die Zuhörer auf. „Patienten kaufen keine einzelne Untersuchung. Sie wollen vor allem Gewissheit über ihren Gesundheitszustand und möglichst früh Informationen über Risiken erhalten.“

Prof. Dr. Pero Mićić - Deutscher Radiologentag
Prof. Dr. Pero Mićić, Vorstand der FutureManagementGroup
Quelle: Deutwche Bank

Prävention und Früherkennung: Neue Angebote für Radiologen

Mićić wies darauf hin, dass Smartphone-basierte Verfahren zur Schlaganfallerkennung oder neue Bluttests den ersten Kontakt zum Patienten verändern könnten. Auch Konzepte für einfach zugängliche Ganzkörper-Scans nannte er als Entwicklungssignale, die Radiologen im Blick behalten sollten. Prävention und Früherkennung könnten daher für Radiologen neue Angebote schaffen. Gleichzeitig müsse die Radiologie ihre eigenen Prozesse weiter automatisieren. „KI kann zwar Arbeitszeit und Kosten reduzieren, interessanter ist jedoch, was Praxen mit der gewonnenen Kapazität zusätzlich leisten können“, betonte Mićić.

Daran knüpfte Dr. Stefan Schaller, Leiter Central Western Europe bei Siemens Healthineers, an. Für ihn bleibt die Bildgebung eine wichtige Grundlage der modernen Medizin. Gleichzeitig verändern sich die Abläufe rund um die Untersuchung. Er skizzierte eine Entwicklung vom heutigen Einsatz einzelner Assistenzsysteme hin zu stärker automatisierten Prozessketten. „Das beginnt bereits bei der Terminplanung und der Auswahl des Untersuchungsprotokolls. Künftig kann KI dafür Informationen aus der elektronischen Patientenakte nutzen und Untersuchungen weitgehend selbst planen“, so Schaller. Auch die Durchführung der Scans könne zunehmend automatisiert werden. Am Gerät werde zwar weiterhin ein Mitarbeiter benötigt, seine Aufgaben könnten sich durch die Automatisierung jedoch verändern.

Arbeitsabläufe durch KI entlasten

„Es gibt bereits zahlreiche Anwendungen für einzelne Aufgaben, etwa die Erkennung von Läsionen, Messungen oder die Quantifizierung von Stenosen. Künftig kann eine KI daraus einen Befundvorschlag erstellen“, sagte Schaller. Die Verantwortung bleibe jedoch beim Radiologen. Potenzial sieht Schaller vor allem bei Normalbefunden und routinemäßigen Aufgaben.

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es unter der Moderation von Prof. Dr. Andreas Beivers immer wieder um das Thema wirtschaftliche Unsicherheit. Teilnehmer waren Dr. Constantin Landers von NVIDIA, Prof. Dr. Henrik Michaely von der RG20, Andreas Opitz von db Healthcare, Florian Lange von United Imaging HealthCare und Prof. Dr. Volker Amelung von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Dr. Stefan Schaller - Deutscher Radiologentag
Dr. Stefan Schaller, Leiter Central Western Europe bei Siemens Healthineers
Quelle: Deutsche Bank

Prävention und Finanzierung im Mittelpunkt der Diskussionsrunde

Opitz gab einen Einblick in die Sichtweise der Deutschen Bank. Er erläuterte, dass bei Finanzierungen stärker darauf geschaut werde, wie ein Unternehmen mit neuen Technologien arbeitet und wie sich sein Geschäftsmodell entwickeln kann. Immer wieder kam die Sprache auf das Thema Prävention.  Radiologische Praxen könnten stärker in Angebote zur Früherkennung einsteigen und Patienten somit früher erreichen. Als Beispiel wurde die Zahnmedizin genannt, die Präventionsleistungen wie die professionelle Zahnreinigung früh als zusätzliches Angebot etabliert hat. Gleichzeitig wurden die Grenzen des bestehenden Vergütungssystems deutlich. In der Diskussion wurde kritisiert, dass viele Leistungen über Mengen finanziert werden. Das erschwere Investitionen in neue Strukturen und könne Anreize setzen, Kapazitäten über höhere Fallzahlen auszulasten. Als mögliche Alternative wurden regionale Budgets und andere Vergütungsmodelle diskutiert, bei denen stärker das Versorgungsergebnis einer Region betrachtet wird.

Zum Schluss stand die Frage im Raum, wie Unternehmen mit dieser Unsicherheit umgehen können.  Wer in neue Technologien investiert, braucht Planungssicherheit. Gleichzeitig entstehen neue Anwendungen oft schneller, als Regulierung und Vergütung darauf reagieren können. Die Teilnehmer plädierten deshalb dafür, Anwendungen zunächst in der Praxis zu testen und erfolgreiche Beispiele anschließend weiterzugeben. 

Matthias Redl, Senior Expert db Healthcare, war mit dem ersten Zukunftstag Radiologie in den Türmen der Deutschen Bank sehr zufrieden. Sowohl die Resonanz auf die Einladungen als auch das Feedback nach der Veranstaltung seien sehr positiv gewesen. Eine weitere Veranstaltung im kommenden Jahr könne er sich daher durchaus vorstellen.

Autorin: Sonja Buske

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