Screening ist ein Prozess – und braucht eine durchgängige Plattform

Das bundesweite Lungenkrebs-Screening startete im April 2026 und stellt Radiologie, IT und Organisation vor neue Herausforderungen.

nur Özek
Onur Özek, Managing Director bei Mint Medical
Quelle: Mint Medical

Herr Özek, mit dem Start des Lungenkrebs-Screenings in Deutschland beginnt für viele Einrichtungen eine neue Ära. Was ändert sich konkret im radiologischen Alltag?

Das Screening bringt eine neue Dimension in die Radiologie. Es geht nicht mehr nur um die Befundung einzelner CTs, sondern um einen hochstandardisierten, longitudinalen Prozess. Radiologen müssen Leitlinien wie Lung-RADS konsequent anwenden, verpflichtende Zweitbefundungen organisieren und zugleich eine kontinuierliche Verlaufskontrolle über Jahre hinweg sicherstellen. 

Das erhöht nicht nur die Fallzahlen, sondern vor allem die Komplexität. Ohne digitale Unterstützung entsteht hier schnell sowohl organisatorisch als auch bei der Befundung selbst ein erheblicher Mehraufwand. 

Welche Rolle spielt dabei Ihre Plattform mint Lesion?

Unser Ansatz ist, das Screening ganzheitlich zu betrachten. mint Lesion ist keine isolierte Befundungslösung, sondern eine End-to-End-Plattform, die alle Schritte des Screenings miteinander verbindet: von der Erstbefundung über die Zweitmeinung bis hin zur Nachverfolgung. 

Das Ziel ist, einen durchgängigen Workflow zu schaffen, der Radiologen entlastet und eine konstant hohe Befundqualität fördert. Der Workflow beginnt im RIS / PACS und endet dort auch wieder – ohne Medienbrüche. 

Ein zentraler Punkt ist die strukturierte Befundung. Warum ist sie im Screening so entscheidend? 

Strukturierte Befundung ist weit mehr als ein standardisierter Bericht. Sie schafft klinische Daten, die longitudinal ausgewertet, zwischen Einrichtungen verglichen und von anderen Systemen verwertet werden können. Gerade im Screening ist das essenziell, weil Entscheidungen reproduzierbar und über Jahre hinweg nachvollziehbar bleiben müssen. 

mint Lesion führt Radiologen aktiv durch diesen Prozess. Lung-RADS ist vollständig integriert, ebenso wie wichtige Parameter wie die Volumenverdopplungszeit und Risikoscores. Dadurch entsteht ein reproduzierbarer Befundungsprozess, der zu einer hohen diagnostischen Sicherheit beiträgt und die Kommunikation verbessert. 

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in diesem Workflow? 

Eine automatisierte Befundunterstützung ist im Screening sogar vorgeschrieben. Wir unterstützen die Integration von Algorithmen verschiedener Anbieter direkt in den klinischen Workflow. 

Das bedeutet: Die KI-Ergebnisse stehen nicht isoliert neben der Befundung, sondern sind direkt im Arbeitskontext verfügbar und können sofort validiert oder angepasst werden. Die finale Entscheidung liegt immer bei den Radiologen. 

So entsteht ein Zusammenspiel aus Automatisierung und klinischer Kontrolle, und genau das ist entscheidend für Akzeptanz und Effizienz. 

Onur Özek
„Es reicht nicht, einzelne Technologien einzusetzen. Entscheidend ist, dass alle Prozesse nahtlos ineinandergreifen und in bestehende IT-Infrastrukturen wie RIS- und PACS-Systeme integriert sind." Onur Özek, Managing Director bei Mint Medical
Quelle: Mint Medical

Ein besonderes Merkmal des deutschen Screenings ist die verpflichtende Zweitbefundung. Wie adressiert Ihre Lösung diese Anforderung?

Die Zweitbefundung stellt organisatorisch eine der größten Herausforderungen dar. Es geht nicht nur um die zweite Meinung, sondern um einen strukturierten, nachvollziehbaren Prozess zwischen verschiedenen Standorten.

mint Lesion integriert diese Abl.ufe vollständig. Fälle können direkt zugewiesen werden, beide Befunde werden transparent gegenübergestellt und ein Konsensusbericht kann erstellt werden. Besonderen Wert legen wir dabei auf Sicherheit, Geschwindigkeit und Standardkonformität. Der Datenaustausch erfolgt verschlüsselt und entspricht den aktuellen regulatorischen und technischen Standards.

Ein weiterer wichtiger Vorteil unserer Technologie ist die geringe Einstiegshürde für Erstbefunder. Wir ermöglichen es, auch kleinere Einrichtungen oder Partner mit geringem Infrastruktur- und Kostenaufwand sicher an spezialisierte Lungenkrebszentren anzubinden.

Dadurch unterstützen wir den Aufbau einer flächendeckenden, leitliniengerechten Versorgung und erleichtern den Ausbau leistungsf.higer Screeningnetzwerke.

Ein weiterer Aspekt ist die longitudinale Betreuung der Patienten. Was macht diese so anspruchsvoll?

Screening ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein langfristiger Prozess. Radiologen müssen Veränderungen über Jahre hinweg nachvollziehen und bewerten. mint Lesion stellt dafür alle relevanten Daten in einer zeitlichen Struktur dar. Voruntersuchungen werden automatisch einbezogen, die Bilder der Folgeuntersuchungen werden automatisch mit der Baseline synchronisiert, Wachstumsparameter werden berechnet und Veränderungen werden visualisiert.

Das bildet nicht nur eine strukturierte Grundlage für die klinische Entscheidung, sondern sorgt auch für eine konsistente Nachsorge im Einklang mit den Leitlinien.

Neben der klinischen Perspektive: Welche Anforderungen stellen Krankenhäuser und Screening-Zentren an solche Systeme?

Neben der klinischen Perspektive stehen für Krankenhäuser und Screening-Zentren vor allem Skalierbarkeit, Integration und Zukunftssicherheit im Fokus. Lungenkrebs-Screening ist kein isoliertes Projekt, sondern ein langfristiges Programm mit steigenden Fallzahlen und wachsenden organisatorischen Anforderungen. 

Unsere Plattform wurde genau dafür entwickelt: Sie unterstützt sowohl einzelne Einrichtungen als auch komplexe regionale oder überregionale Screening-Netzwerke. Dabei kann sie zentral oder dezentral betrieben und flexibel in bestehende IT-Strategien integriert werden – interoperabel, sicher und konform mit aktuellen Standards. 

Besonders wichtig ist uns dabei die Zukunftsfähigkeit der Plattform: Die Infrastruktur lässt sich über das Lungenkrebs-Screening hinaus erweitern und auf weitere klinische Anwendungsfälle übertragen – beispielsweise auf die strukturierte Bewertung von Prostatakarzinomen oder auf andere onkologische Screening- und Befundungsprozesse. Damit investieren Einrichtungen nicht nur in eine Einzellösung, sondern in eine skalierbare Plattform für moderne, datengetriebene Diagnostik. 

Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor für das Lungenkrebs-Screening in Deutschland? 

Der Schlüssel liegt in der Workflow-Optimierung sowie der Interoperabilität. Es reicht nicht, einzelne Technologien einzusetzen. Entscheidend ist, dass alle Prozesse nahtlos ineinandergreifen und in bestehende IT-Infrastruktur wie RIS- und PACS-Systeme integriert sind. 

Wenn es gelingt, diese Elemente in einem durchgängigen Workflow zu vereinen, kann der Ablauf des Lungenkrebsscreenings sowohl in der Früherkennung als auch im langfristigen Versorgungsmanagement optimal digital unterstützt werden. 

Welche Entwicklungen jenseits des Screenings sind bei Ihnen in den kommenden Jahren geplant?

Wir entwickeln unsere Plattform konsequent weiter hin zu einer integrierten Infrastruktur für datengetriebene Versorgung. Dabei geht es nicht nur um radiologische Befundung, sondern auch um die intelligente Verknüpfung von Bildgebung, klinischen Daten, KI und longitudinalen Informationen entlang des gesamten Behandlungspfads. 

Langfristig wird Radiologie aus unserer Sicht eine noch zentralere Rolle als datenliefernde Disziplin im Gesundheitssystem einnehmen. Dafür braucht es Plattformen, die Informationen nicht nur dokumentieren, sondern auch klinisch nutzbar, interoperabel und skalierbar machen. 

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