
RadNet, einer der größten US-Anbieter ambulanter Bildgebung, übernimmt das Pariser KI-Unternehmen Gleamer und integriert es in die Tochtergesellschaft DeepHealth. Mit dem Zukauf will RadNet sein Portfolio an klinischen KI-Lösungen deutlich ausweiten – und DeepHealth nach eigenen Angaben als weltweit größten Anbieter für Radiologie-KI im klinischen Einsatz positionieren.
Gleamer beschäftigt laut Mitteilung mehr als 130 Mitarbeitende und bedient weltweit über 700 Kundenverträge in 44 Ländern. Das Unternehmen bietet FDA-cleared und CE-markierte KI- und Workflow-Lösungen für muskuloskelettale, mamma-, lungen- und neurologische Anwendungen. Strategisch relevant ist vor allem Gleamers starke Position in der Routinebildgebung – insbesondere im Röntgen – mit cloud-nativen SaaS-Strukturen.
DeepHealth + Gleamer: „Native“ KI über alle Modalitäten hinweg
Durch die Kombination von Gleamers Produkten mit DeepHealths bestehenden KI-Suiten (u. a. für Brust-, Thorax-, Neuro- und weitere Anwendungen) entsteht ein breites Portfolio, das über MR, CT, Röntgen, Mammographie und Ultraschall hinweg reicht. RadNet betont dabei den Anspruch, KI nicht als Insellösung, sondern als integrierten Bestandteil klinischer Workflows bereitzustellen – von Screening und Detektion bis hin zu Verlaufskontrolle und Follow-up.
Automatisierung im Fokus: Priorisierung und „Draft Reporting“
RadNet-CEO Howard Berger begründet den Schritt mit steigenden Untersuchungszahlen bei gleichzeitig zunehmendem Radiologenmangel. Besonders in hochvolumigen Bereichen wie Röntgen, Ultraschall und Mammographie gehe es darum, Workflows neu zu designen – etwa durch automatisierte Fallpriorisierung und vorbefüllte Befundentwürfe („draft reporting“).
30 Mio. US-Dollar ARR in 2026 – und Umsetzung im RadNet-Netz bis Q3 2026 geplant
Gleamer soll seinen Annual Recurring Revenue (ARR) von 2022 bis 2025 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von über 90 Prozent gesteigert haben; für 2026 wird ein ARR von rund 30 Mio. US-Dollar erwartet. Innerhalb des RadNet-Netzwerks soll der Roll-out der Gleamer-Lösungen messbare Effizienzgewinne erzielen – RadNet nennt als Zielhorizont das dritte Quartal 2026.
Die Transaktion ist als All-Cash-Deal inklusive eines nachgelagerten Meilensteins strukturiert und umfasst laut Pressemeldung einen Kaufpreis von bis zu 230 Mio. €. Die Bewertung begründet RadNet mit wiederkehrendem Umsatzwachstum, cloud-nativen Margen, hoher Kundenbindung sowie einem Portfolio mit vier FDA-cleared und sechs CE-markierten Produkten für mehr als 25 Indikationen.
RadMag-Einordnung:
Der Deal unterstreicht den Trend, dass KI-Anbieter nicht mehr nur einzelne Algorithmen verkaufen, sondern komplette, workflow-nahe Plattformen etablieren wollen. Gerade die Routinebildgebung (Röntgen, Screening) wird damit zum Hebel: Wo das Volumen hoch ist, entscheidet Integration über Akzeptanz – und Automatisierung über Skalierbarkeit.









