Mit einer Investition von rund 100 Millionen Euro baut Siemens Healthineers die Fertigung zentraler Komponenten für die Photon-Counting-CT deutlich aus. In Forchheim hat das Unternehmen eine neue Halbleiterfabrik eröffnet, in der künftig Cadmiumtellurid-Sensoren vom Kristall bis zum fertigen Röntgendetektor entstehen.
Mit der zunehmenden Verbreitung der Photon-Counting-CT steigen auch die Anforderungen an die Fertigung der dafür notwendigen Detektoren. Siemens Healthineers hat deshalb am 11. September 2026 am Standort Forchheim seine neue „Photon-counting Sensor Fab“ eröffnet. Die nach Unternehmensangaben in Europa einzigartige Semiconductor-Fabrication-Plant verfügt über eine Nutzfläche von rund 9.500 Quadratmetern. Rund 100 Millionen Euro wurden in Bau und technische Ausstattung investiert, mehr als 100 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
Zweiter Produktionsstandort
Bislang produziert Siemens Healthineers die entsprechenden Halbleitersensoren in Japan. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach photonenzählenden Computertomographen stößt dieser Standort nach Angaben des Unternehmens jedoch zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Mit Forchheim entsteht nun ein zweiter Fertigungsstandort – und zwar unmittelbar am zentralen Entwicklungs- und Produktionsstandort für CT-Systeme.
Technologisch bemerkenswert ist, dass in der neuen Fabrik der gesamte Herstellungsprozess der Sensoren abgebildet wird. Ausgangspunkt sind hochreines Cadmium und Tellur. Daraus entsteht Cadmiumtellurid (CdTe), das als Halbleitermaterial die direkte Umwandlung eintreffender Röntgenphotonen in elektrische Signale ermöglicht.
Die Herstellung ist aufwendig: Cadmium und Tellur verbinden sich bei Temperaturen von rund 1.100 Grad Celsius. Anschließend dauert es etwa zehn Wochen, bis daraus der benötigte Einkristall gewachsen ist. Die Kristalle werden danach submillimetergenau geschnitten und poliert. Im Reinraum wird schließlich lithografisch die Pixelstruktur aufgebracht. Die fertigen Sensoren gelangen anschließend in die CT-Fertigung und werden dort in die photonenzählenden Systeme integriert.
Gerade diese Sensoren bilden eine der technologischen Grundlagen der Photon-Counting-CT. Anders als bei energieintegrierenden Detektoren wird die Röntgenstrahlung direkt im Halbleitermaterial detektiert. Damit lassen sich einzelne Photonen erfassen und nach ihrer Energie differenzieren. Siemens Healthineers verweist insbesondere auf die damit mögliche höhere Bildschärfe bei gleichzeitig reduzierter Röntgendosis.
Produktion im industriellen Maßstab
Die Dimension der neuen Anlage zeigt zugleich, welchen Stellenwert Siemens Healthineers der Photon-Counting-Technologie für die weitere CT-Entwicklung beimisst. Künftig sollen in Forchheim tonnenweise hochreines Cadmium und Tellur verarbeitet werden. „Wir wollen keine Ein-Standort-Strategie in Japan verfolgen, sondern auch hier im Zentrum der CT-Entwicklung in Forchheim in der Lage sein, im industriellen Maßstab Kristalle zu fertigen“, erklärt Uwe Rückl, Leiter CT Detectors & Crystals bei Siemens Healthineers.
Damit geht es bei der neuen Sensor-Fab nicht allein um zusätzliche Produktionskapazitäten. Siemens Healthineers bringt Entwicklung, Sensorherstellung und CT-Fertigung räumlich enger zusammen und baut zugleich eine zweite Fertigungsbasis für eine Schlüsselkomponente seiner photonenzählenden Computertomographen auf.
Nachhaltigkeit auch in der Fertigung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit des Gebäudes. Die neue Fabrik verfügt über eine LEED-Platin-Zertifizierung und soll CO₂-neutral betrieben werden. Abwärme aus der Produktion wird zur Beheizung des Gebäudes genutzt, eine Photovoltaikanlage mit 170 kWp erzeugt Strom auf dem Dach. Für die umweltverträgliche Handhabung der bei der Produktion eingesetzten Stoffe investierte Siemens Healthineers zudem eine einstellige Millionensumme in Abluft- und Abwasserreinigungsanlagen.
Die Eröffnung der Sensor-Fab unterstreicht damit, dass der Ausbau der Photon-Counting-CT längst nicht mehr nur eine Frage neuer Scanner ist. Mit wachsender klinischer Verbreitung rücken zunehmend auch die industrielle Fertigung und die Verfügbarkeit der dafür erforderlichen Halbleitertechnologie in den Mittelpunkt. Für Siemens Healthineers wird Forchheim dabei künftig eine zentrale Rolle spielen.














