Mit einem ungewöhnlich persönlichen und emotionalen Auftakt eröffneten die Kongresspräsidenten Prof. Saif Afat und PD Dr. Daniel Pinto dos Santos gemeinsam mit Prof. Bettina Bäßler den Deutschen Röntgenkongress 2026 in Leipzig. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die klassische Kongresseröffnung als vielmehr die Geschichte hinter dem Motto „Radiologie grenzenlos“ – und die Idee, Hierarchien, Rollenbilder und traditionelle Grenzen innerhalb der Radiologie zu überwinden.
PD Dr. Daniel Pinto dos Santos erinnerte daran, wie weit ihm die Bühne des RöKo einst selbst erschienen sei. „Ich habe damals immer gedacht, dass es eine Grenze zwischen denen, die hier oben sind, und mir im Publikum gibt“, sagte er zu Beginn der Veranstaltung. Genau diese Grenze wollte das Präsidium mit dem Kongress bewusst hinterfragen. Der RöKo solle kein Kongress einzelner Personen sein, sondern ein Gemeinschaftsprojekt der gesamten radiologischen Community.
Raum für individuelle Interpretation
Prof. Saif Afat schlug ebenfalls einen sehr persönlichen Ton an. Sein erster wissenschaftlicher Vortrag fand 2016 ebenfalls in Leipzig statt – damals noch als Assistenzarzt. Nun als Kongresspräsident an denselben Ort zurückzukehren, sei für ihn „wirklich überwältigend“. Gleichzeitig betonte Prof. Afat, dass der Weg zum RöKo 2026 bereits Jahre zuvor begonnen habe: Inspiriert durch Diskussionen über Vielfalt, Modernisierung und neue Formen der Zusammenarbeit innerhalb der Deutschen Röntgengesellschaft entstand 2022 die Idee eines anderen, experimentelleren Kongresskonzepts.

Das Motto „Radiologie grenzenlos“ entwickelte sich dabei zum zentralen Leitgedanken. Es solle bewusst offen bleiben und Raum für individuelle Interpretation schaffen – sei es im Hinblick auf Karrierewege, Zusammenarbeit, Innovation oder persönliche Entwicklung. PD Dr. Pinto dos Santos formulierte dazu: „Wir wollen gar nicht, dass das unser Kongress ist, sondern es ist natürlich der Kongress von uns allen.“ Prof. Afat ergänzte später mehrfach: „Das ist wirklich Ihr Kongress, das ist Euer Kongress.“ Beide Präsidenten betonten damit, dass Radiologie heute nur als Teamleistung funktioniere – unabhängig von Funktion, Herkunft oder beruflicher Rolle.
Der Mensch im Mittelpunkt
Ein sichtbarer Ausdruck dieses Gedankens war auch das visuelle Konzept des Kongresses. Gemeinsam mit einem Künstler entwickelte Poster und Bildwelten sollten bewusst keine eindeutigen Zuschreibungen zulassen. Stattdessen steht der Mensch im Mittelpunkt – unabhängig von Alter, Herkunft, Religion oder beruflicher Position. Radiologie wird damit als gemeinschaftliche „Heilkunst“ verstanden.
Besonders bewegend war die Videoansprache von Prof. Bettina Bäßler, die aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich in Leipzig anwesend sein konnte. Offen sprach sie über die Herausforderungen der vergangenen Jahre: „Die letzten beiden Jahre waren gesundheitlich eine riesige Herausforderung.“ Gleichzeitig machte sie deutlich, dass „grenzenlos“ für sie auch bedeute, trotz der Distanz Teil eines Teams bleiben zu können.
Prof. Bäßler würdigte ausdrücklich die Unterstützung durch ihre Mitpräsidenten sowie die DRG-Geschäftsstelle. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat das Team den Kongress gemeinsam weiterentwickelt und umgesetzt. „Was entstanden ist, ist ein Programm, das unserem Motto ‚Radiologie grenzenlos‘ wirklich gerecht wird“, sagte sie in ihrer Videobotschaft. Der RöKo 2026 solle deshalb vor allem Raum für Begegnung, Austausch und Inspiration schaffen – weit über die Vorträge hinaus.






