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Wo geht die Reise für die Radiologie hin? Wie sieht die Zukunft aus? Welche Rolle spielt KI darin und welche Art von Radiologen braucht es künftig? Diese und ähnliche Fragen zu beantworten, hat sich der ECR 2024 zur Aufgabe gemacht. „Next Generation Radiology“ wurde vom diesjährigen Präsidenten Prof. Carlo Catalano, Professor für Radiologie und Leiter der Abteilung Diagnostische Radiologie an der La Sapienza Universität, Rom Krankenhaus, bewusst gewählt und soll den Blick nach vorn richten.

Der ECR zeigt das nicht nur in der thematischen Ausrichtung mit einem deutlichen Schwerpunkt auf KI, auch die nächste Generation der Radiologen wird in den Vordergrund gestellt. Um ihnen eine Gelegenheit zu geben, in einer interaktiven und praxisnahen Lernumgebung tiefer in das Gebiet der interventionellen Radiologie einzutauchen, wurde der Cube, die ECR-Veranstaltung für interventionelle Radiologie, erneut eingerichtet.

Impressionen vom ECR Bild mitte und rechts © sLkphoto.at_Kreuzberger_Sebastian

Auch in das Kongressprogramm wurde die junge Generation eingebunden. Viele junge Forschende sind eingeladen, ihre Arbeiten vorzustellen. Darin sieht Catalano eine zentrale Verantwortung des ECR. Young Professionals soll eine Plattform geboten werden, um die Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie verdienen, so der Kongresspräsident. Außerdem will er sie motivieren, ihre dringend benötigte Forschung fortzuführen.

Megatrend KI 

Wenig überraschen ist Künstliche Intelligenz ist das alles bestimmende Thema des Kongresses. „Sie ist in allem, was wir tun“, sagt Catalano in seinem morgendlichen Briefing und nutzte die Gelegenheit, sich bei seinen Kollegen dafür einzusetzen, KI nicht als Bedrohung für den eigenen Berufsstand zu sehen. Vielmehr wird die Technologie die radiologische Tätigkeit begleiten und diese bezüglich Effizienz und Qualität auf ein nächstes Level heben, ist sich Catalano sicher. Zahlreiche Expertenvorträge geben ihm recht.

Nicht zuletzt zeigen Innovationen auf Herstellerseite die wachsende Bedeutung von KI – kaum ein Gerät kommt heute noch ohne sie aus. Sie ist einer der wichtigsten Treiber für die Verkürzung von Behandlungszeiten bei gleichzeitiger signifikanter Erhöhung der Qualität der medizinischen Versorgung. Allein die Fortschritte in der Bildgebung und Diagnostik sind beeindruckend. 

Zur selben Zeit wirkt KI maßgeblich daran mit, einige der dringendsten Probleme, mit denen Radiologen konfrontiert sind, anzugehen. So wächst weltweit der Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich. Laut WHO sollen es bis zum Jahr 2030 ganze 10 Millionen sein. Außerdem sind chronische und nicht übertragbare Erkrankungen wie Krebs auf dem Vormarsch. Hier muss laut offiziellen Angaben bis zum Jahr 2040 von einem Anstieg um 62 Prozent ausgegangen werden. Daraus erwachsen Herausforderungen, zu deren Lösung KI einen guten Teil beitragen könnte. Die Technologie nimmt medizinischen Fachkräften Arbeit ab, sodass diese mehr Zeit für andere Tätigkeiten haben. Zudem erhöht sie die Schnelligkeit, z. B. der Diagnostik und Befundung, mit der Aufgaben erledigt werden können.

Kommende Herausforderungen angehen 

Ein weiteres Dauerbrennerthema, das die Branche umtreibt, ist die Nachhaltigkeit, und das  nicht zu Unrecht, denn immerhin beträgt der signifikante Carbon-Fußabdruck des Healthcare-Sektors 4,4 Prozent. Hersteller haben bereits reagiert und bringen ressourcenschonende Geräte auf den Markt. Sie konzipieren Projekte, um vorhandene Rohstoffe wiederzuverwenden oder um Geräte aufzuarbeiten, sodass sie neue Käufer finden. Auf der anderen Seite machen sich mehr und mehr Radiologen Gedanken, wie sie nachhaltiger arbeiten können. Ein wichtiger Baustein dabei ist, die eigene Arbeitsweise zu überprüfen und bereit zu sein, neue Routinen zu entwickeln. Auf der Konferenz erhielten sie dafür Denkanstöße sowie wissenschaftliche Forschungsergebnisse, die belegen, dass bereits kleine Maßnahmen Wirkung zeigen.

Auch in diesem Jahr ist der ECR seinem Ruf als europäisches Familientreffen der Radiologie wieder gerecht geworden. An jeder Ecke treffen sich alte Freunde und kommen neue hinzu. Der Austausch in den hochkarätig besetzen Sessions ist rege und interessiert. Die Branche ist sich bewusst, dass sie einerseits viele Herausforderungen zu meistern hat und KI nur eine davon ist. Das gibt ihr andererseits eine Schlüsselposition, denn dadurch bietet sich die Chance, gestalterischen Einfluss zu nehmen und die Medizin von morgen aktiv zu beeinflussen. Auch diese Erkenntnis scheint sich durchzusetzen, von Endzeitstimmung war jedenfalls auf dem ECR nichts zu spüren.

Im nächsten Jahr findet der ECR vom 26. Februar bis zum 2. März statt und das Motto der Kongresspräsidentin Prof. Andrea Rockall, Clinical Chair of Radiology am Imperial College in London, lautet: Planet Radiology.